Batman Arkham Knight im Test

Der dunkle Ritter gibt sich ein letztes mal die Ehre und kehrt für eine Nacht zurück, um die Straßen von Gotham City vom kriminellen Abschaum zu säubern. Nach dem Überraschungshit Batman: Arkham Asylum aus dem Jahre 2009 und dem zwei Jahre später erschienenen Nachfolger und Kritiker-Liebling Arkham City, folgt nun der Abschluss von Rocksteadys Arkham-Trilogie in Form von Batman: Arkham Knight. Die Entwickler versprechen eine gelungene, spielerische als auch erzählerische Weiterentwicklung der bekannten Formel für die neue Konsolengeneration, mithilfe neuer Features wie dem Batmobil, dem mysteriösen neuen Antagonisten, sowie der bisher mit Abstand größten Spielwelt der Reihe. Wie gut das Finale aber am Ende wirklich geworden ist und ob Batmans neues Gefährt nicht doch eher ein Fall für die Alteisensammlung ist, könnt ihr nun in unserem ausführlichen GU-Test zu Batman: Arkham Knight nachlesen.

Ein neuer Feind

Wir starten 9 Monate nach den Ereignissen von Batman: Arkham City. In Gotham scheint wieder etwas Ruhe eingekehrt zu sein. Doch der Schein trügt, denn im Untergrund hat Scarecrow bereits an einem Plan getüftelt, wie er die komplette Stadt mit einem giftigen Gas bedecken kann. Nach der öffentlichen Bekanntgabe seines wahnsinnigen Vorhabens, flüchtet die gesamte zivile Bevölkerung aus der Stadt, wodurch ab sofort nur noch Kriminelle und Schwerverbrecher die Straßen Gothams unsicher machen. Gemeinsam mit der Polizei, allen voran Commissioner Gordon und seiner Tochter Barbara, gilt es nun als Batman die Stadt vor der totalen Katastrophe zu bewahren. Doch neben Scarecrow hat sich zusätzlich die beinahe komplette Riege an Super-Bösewichten versammelt, um unseren dunklen Ritter erneut das Leben schwer zu machen. Vor allem der mysteriöse neue Gegenspieler, der Arkham Knight, stellt eine ernstzunehmende Bedrohung dar, da er Scarecrow nicht nur mit einer großen Armee an bewaffneten Soldaten und Maschinen unterstützt, sondern auch noch etliche Geheimnisse und Schwachstellen von Batman kennt.

Hollywoodreife Inszenierung

Bereits zu Beginn wird klar, dass wir es hier mit einem absolut geschliffenem Blockbuster zu tun haben, denn Batman: Arkham Knight inszeniert sich zu jeder Sekunde grandios. Stimmungsvolle Kamerafahrten oder stylisch in Szene gesetzte Auftritte kommen hier definitiv nicht zu kurz. Besonders hervorzuheben sind das gelungene Intro und Ende des Spiels, bei denen einige unkonventionelle Wege in Sachen Präsentation gegangen werden. Aber auch dazwischen werden mit Elementen wie Batmans Halluzinationen einige denkwürdige Momente geschaffen, die durch das Auftauchen eines alten Bekannten umso interessanter werden. Die Geschichte wird dank der vielen verschiedenen und unterhaltsamen Charaktere nur selten langweilig und kommt immer mal wieder mit tollen Wendungen um die Ecke. Die große Frage nach der Identität des Arkham Knights bleibt hingegen eher unspektakulär, da die Antwort den meisten nach wenigen Stunden bereits klar sein dürfte und die eigentliche Auflösung dabei etwas zu lange hinausgezögert wurde.

Wer stur der Haupthandlung folgt, wird etwa 15 Stunden mit dieser beschäftigt sein, wobei das „wahre Ende“ sowie der Abspann erst nach dem Erfüllen sämtlicher Nebenmissionen freigeschaltet wird. Dafür hat man zwar nach dem Erledigen der eigentlichen Handlung so viel Zeit wie man möchte, doch kann es ziemlich unbefriedigend sein, keinen richtigen Abschluss zu bekommen, wenn man nicht gerade die Motivation findet noch mal weitere 15 – 20 Stunden in mal mehr, mal weniger spannende Nebenaufgaben zu investieren. Übrigens können mit Batman: Arkham Knight auch Neueinsteiger Spaß haben, die noch nie zuvor einen Teil der Arkham-Reihe gespielt haben. Zwar gibt es immer wieder Anspielungen und Zusammenhänge auf vergangene Geschehnisse, für das Grundverständnis der Story sind sie aber nicht zwingend notwendig.

Alte Stärken weiter ausgebaut

Auch das Free-Flow-Kampfsystem bietet einen gewohnt simplen Einstieg und sieht dabei mit der fließenden Einbindungen der Umgebung, spektakulärer denn je aus. Toll sind hier vor allem die Kämpfe an der Seite von Batmans Mitstreitern wie Robin oder Catwoman, die sogenannten „Dual Plays“, bei denen man den zu steuernden Charakter auf Knopfdruck wechseln und gemeinsame Kombinationsattacken ausführen kann. Wer einmal den richtigen Rhythmus gefunden hat, dem gehen die Kloppereien aber beinahe schon „zu“ leicht von der Hand. Anders sieht es hingegen mit Batmans Gadgets aus, bei denen selbst Veteranen aufgrund der inzwischen so hohen Vielfalt an technischen Spielereien durcheinander kommen können. Mit Batarang, Batclaw, Explosionsgel, Unterbrecher und co. gibt es zwar eine Menge Möglichkeiten sich an Feinde heranzuschleichen und anschließend auszuschalten oder auch um bestimmte Rätsel zu lösen, aber im Endeffekt werden gerade mal eine handvoll davon wirklich benötigt. Besonders gelungen sind wieder einmal die Detektiv-Abschnitte, von denen es innerhalb der Haupthandlung leider etwas zu wenige gibt. Fallrekonstruktionen oder das Untersuchen von Überwachungsaufnahmen bringen aber eine angenehme Abwechslung ins Gameplay.

Das Batmobil – Ein zweischneidiges Schwert

Die wohl größte Neuerung stellt allerdings Batmans neuer Luxus-Schlitten dar. Das Batmobil sieht nicht nur unglaublich schick aus, sondern hat auch eine Menge Tricks auf Lager. Neben der normalen Fahrsteuerung für unter anderem Verfolgungsjagden, gibt es auch eine Transformation für Kampfsituationen, bei der sich das Gefährt in einen äußerst wendigen Panzer verwandelt. Das Positive vorweg: Das Batmobil steuert sich angenehm präzise und selbst im Panzer-Modus hat man eine gute Kontrolle über sämtliche Aktionen. Es lässt sich außerdem fast von überall herbeirufen und ist neben dem Gleiten, ein praktisches Transportmittel um von A nach B zu kommen. Selbst für die Lösung verschiedener Rätsel wurde es gelungen ins Spiel eingebunden. Allerdings gibt es dann auch noch die explosiven Kämpfe gegen andere Sonden und die sind so gar nicht das, was man von den Batman-Spielen kennt. Nach anfänglicher Begeisterung stellen sie sich schnell als lästiges Füllmaterial heraus, das viel zu oft und durch eine viel zu hohe Anzahl an Gegnerwellen einen Platz in der Haupthandlung des Spiels findet. Den traurigen Höhepunkt bilden hier einige fiese Gegnertypen, die das Batmobil mit einem einzigen Treffer vernichten können und so leicht zu Frust-Momenten führen können.

Die Stadt die niemals schläft – Nebenaufgaben en masse

Da es sich bei Batman: Arkham Knight um ein Open-World-Spiel handelt, müsst ihr selbstverständlich nicht immer strikt der Hauptmission folgen, sondern könnt auch einem Neben-Storystrang wie der Jagd nach Riddler, Two-Face oder dem Pinguin nachgehen. Ihr könnt aber auch einfach durch Gotham gleiten und dynamisch aufpoppende Verfolgungsfahrten oder Geisel-Missionen in eurer Nähe nachgehen. Abwechslung gibt es in der Stadt jedenfalls genug, auch wenn das Pacing aufgrund des starken Batmobil-Fokus in der Haupthandlung nicht ganz so gut wegkommt.

Gotham an sich ist ziemlich groß, sieht wunderschön aus und bietet auch eine Menge Zerstörungsmöglichkeiten und trotzdem wirkt es eher wie ein großer Spielplatz anstelle einer lebendigen Stadt. Das liegt größtenteils daran, dass es wenig wirklich betretbare Gebäude gibt und kaum Leute mit denen man sprechen kann. Das Spiel versucht diese Tatsache damit zu kaschieren, dass sämtliche normale Bürger zu Beginn des Spiels aus der Stadt evakuiert wurden. Die Straßen sind dafür nun teilweise so brechend voll von Schlägern und feindlichen Drohnen des Arkham Knights, dass es schlicht unglaubwürdig wirkt. Durch das Kämpfen und Erledigen von Nebenmissionen erhält man übrigens Erfahrungspunkte, mit denen man seine Fähigkeiten weiter ausbauen oder die eigenen Gadgets und das Batmobil upgraden kann.

Der schönste Batman aller Zeiten

Da die Handlung des Spiels innerhalb einer Nacht stattfindet, ist es auch durchgehend dunkel in Gotham City. Die atmosphärische Beleuchtung der zahlreichen Straßenlaternen und Gebäude, kombiniert mit dem fallenden Regen und den dadurch entstehenden Wasserspiegelungen sehen aber so toll aus, dass dies nicht weiter stört. Im Gegenteil sogar, denn erst durch die allgegenwärtige Dunkelheit kommt auch die passende Batman-Stimmung zustande. Ohnehin gehört Batman: Arkham Knight zu den schönsten Spielen der aktuellen Konsolengeneration, ob nun bei den gelungenen Charaktermodellen oder den tollen Animationen, das Spiel ist ein wahres Fest für die Augen und läuft dabei noch durchgehend flüssig. Das Selbe kann man für das grandiose Sounddesign sagen, welches die Ohren geradezu mit tollen Effekten, wie den futuristischen Sounds des Batmobils, den wuchtigen Schlägen oder beim Einsatz eines der vielen Gadgets, verwöhnt. Obendrauf gibt es dann noch eine absolut überzeugende deutsche Synchronisation. Alles richtig gemacht!

FAZIT:

Batman: Arkham Knight ist ein würdiger Abschluss für Rocksteadys Arkham- Trilogie. Durch die Hollywoodreife Inszenierung der spannenden Geschichte und der düsteren Grundatmosphäre, kommt schnell wieder das typische Batman-Gefühl auf, das wir alle kennen und lieben gelernt haben. Gameplay-technisch gibt es durch die neuen Fähigkeiten und Gadgets nun noch mehr Möglichkeiten feindliche Basen zu infiltrieren und das Free-Flow-Kampfsystem, welches zwar in letzter Zeit oft in anderen Spielen kopiert wurde, beweist wieder einmal, dass das Original am Ende immer noch das Beste ist. Das groß beworbene Batmobil lässt sich einwandfrei steuern und bietet eine sinnvolle Ergänzung als Transportmittel sowie als geschickte Einbindung in manche Rätsel, verliert aber leider durch die zu häufigen Panzer-Kämpfe nach einiger Zeit an Attraktivität. Fans dürfen sich zudem auf ein Wiedersehen mit beinahe allen relevanten Figuren, seien es nun Bösewichte oder Mitstreiter Batmans, freuen. Durch die Power der neuen Konsolengeneration ist das Spiel außerdem eines der derzeit technisch am meisten beeindruckenden Titel überhaupt und das gleichzeitig bei der bislang größten Spielwelt der Reihe. Batman: Arkham Knight ist eines, wenn nicht sogar das bisher beste Action-Adventure für die neuen Konsolen und sollte von jedem Fan des Genres zumindest mal ausprobiert werden, selbst wenn man die vorangegangenen Teile bisher verpasst haben sollte. Zwar empfehle ich für das komplette Erlebnis auch Arkham Asylum und Arkham City gespielt zu haben, wer dafür allerdings keine Zeit und Lust hat, der wird auch trotzdem ohne große Probleme der Geschichte folgen können. Batman-Fans können ohnehin bedenkenlos zugreifen.